Birne, Bubi, Blaubär 

Die drei Leben des Johann Kiefersauer 

     

An der Wand hängen die drei großen "B"s, die Johann "Hansi" Kiefersauers Leben bestimmen: Birne, Bubi, Blaubär, und die genauen Abgabetermine für die Strips, die das Kreuzberger Honk!-Studio produziert. Bubi - mit vollem Namen Dr. Bubi Livingston - ist Kiefersauers ureigenstes Geschöpf und ist wöchentlich in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) zu finden. Die Figur Birne zeichnet er seit Jahren für "Mike", das Kinderheft der Genossenschaftsbanken. Und Käptn Blaubär - das ist eine andere Geschichte. 

Wer immer über die deutsche Comicszene schreibt, kommt an dem bayrischen Urgestein Kiefersauer nicht vorbei. Bereits in den 70er Jahren zeichnete er für das alternative Münchner "Blatt", ironischerweise als Nachfolger für den zwischenzeitlich nach Berlin verzogenen Gerhard Seyfried. 1981 folgte ihm Kiefersauer in das damalige Szeneparadies nach. Hier lernte er den gerade zum Zeichenstar aufsteigenden Seyfried kennen und eine fruchtbare Zusammenarbeit begann: Kiefersauer kolorierte die Bände "Das schwarze Imperium" und "Flucht aus Berlin" und erntete dafür viel Lob. Doch gleichzeitig arbeitete er an seiner eigenen Karriere. 

"Es gab schon damals wenige Veröffentlichungsmöglichkeiten für Nachwuchszeichner", erzählt Johann, "wir lösten das Problem, indem wir Selbstverleger wurden." So entstanden die legendären "Zomix"-Hefte, später dann die Anthologie "Rad Ab", an denen bekannte Zeichner wie Harald Juch, Ralph Boyke und viele andere mitarbeiteten. Aber auch amerikanische Zeichner wie Peter Bagge ("Hate") wurden zuerst von Kiefersauer entdeckt. Mit Bert Henning und Peter Petri zusammen gründete man dann das Honk!-Studio, ein Atelier mit drei selbständig arbeitenden Zeichnern. "Wir arbeiten punktuell zusammen, sind aber keine Firma", betont Kiefersauer. 

Spätestens seit Johann Kiefersauer den Käptn Blaubär-Strip produziert, ist er mehr als ausgelastet. Walter Moers hatte den Charakter erfunden, verkaufte die Rechte nach drei Kinderbüchern aber an den Ravensburger Verlag. Als es darum ging, einen Zeichner für einen regelmäßig erscheinenden Strip zu finden, schlug Moers Kiefersauer vor, der diese Arbeit seitdem ausführt. Inzwischen hat das Honk!-Studio so viele Aufträge, daß man freie Mitarbeiter beschäftigt.

"Ich habe schon immer gerne mit Serienfiguren gearbeitet", erzählt Kiefersauer, "wenn man die regelmäßig zeichnet, verändert sich die Figur, bekommt einen richtigen Charakter." Gerade seine Bubi-Strips mit ihrer manchmal ironisch-verzweifelten Wiedergabe des Alltags zeigen, was für ein genauer Beobachter Kiefersauer ist. Nicht umsonst ist Bubi eine "mehr als stille Liebe", wie Kiefersauer gesteht. Bubi ist die am ehesten autobiografisch zu nennende Figur, erkennbar auch an der Vorliebe für karierte Hemden, die Schöpfer und Schöpfung teilen. 

Daneben ist Kiefersauer auch als "Mäzen und Talentförderer" bekannt. Sein eigener Band "Hugos Comiczeichenkurs" ist ein ironischer Ratgeber für Nachwuchszeichner und eines der wenigen deutschen Sekundärwerke, die es sich zu lesen lohnt. Peter Bagges grandiose Slacker-Serie "Hate" wäre ohne Johanns tatkräftige Unterstützung heute noch nicht hierzulande erschienen. Und Tom, heute selber ein Star, bekommt feuchte Augen, wenn er auf Kiefersauer angesprochen wird: "Der hat mir alles beigebracht, was ich heute kann."

LuG (Zitty 2/97)

 

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